Das WFP Blockchain Projekt Building Blocks – präsentiert auf dem Ethereum Munich Meetup am 16. Mai 2017

Den meisten Münchnern ist die Bäckerei Rischart ein Begriff. Wenige wissen, dass die Auslieferung der Backwaren direkt aus dem Glockenbachviertel erfolgt – aus einem zum Rangieren knapp bemessenen Innenhof der Buttermelcherstrasse wird das Stadtgebiet beliefert. Wer das Türschild direkt neben der Einfahrt nicht übersieht, reibt sich die Augen: zwei Etagen über Rischart ist die Zentrale des World Food Programme Innovation Accelerator, dem Innovationshub des WFP, einem Bereich der UN.

Genau hier entstand der Ursprung eines Blockchain Pilotprojekts, das wir in unserem gestrigen Ethereum Munich Meetup gemeinsam mit den Kollegen von WFP präsentiert haben. Seit Anfang Mai werden täglich mehrere Tausend Kauf-Transaktionen im Tazweed Supermarkt eines Flüchtlingslagers in Jordanien über eine Ethereum Blockchain abgewickelt. Bewohner des Camps erhalten nach einer Identifizierung über einen Iris Scan eine PIN, anhand derer sie ihr Guthaben auf ihrem Konto bei WFP überprüfen können. Der anschließende Kauf im Supermarkt wird direkt mit dem Guthaben verrechnet und in der Blockchain aufgezeichnet.

Blockchain Transaktion Live Demo

Nach einer sehr bewegenden Vorstellung des WFP und des Innovation Accelerators durch Sam Ng, skizzierte Datarella CEO Joerg Blumtritt den Prozess für die rund 80 Teilnehmer des Meetups. Anschliessend führte er gemeinsam mit Kira Nezu und Jonatan Bergqvist live eine Test-Transaktion (mit Daten des Datarella-Teams) durch. Konkret gezeigt wurde neben der eigentlichen Abbuchung vom Konto des Nutzers auch eine alternative Form der Identifikation mittels SMS-TAN. Diese Variante der Identifikation wurde für den Fall entwickelt, dass das Iris Scan System nicht zur Anwendung kommt.

Nach der Live-Demo wurde es Zeit, die sich für die Zeitdauer des Piloten in Jordanien aufhaltenden WFP Mitarbeiter Houman Haddad und Alex Alden per Video hinzuzuschalten. Alex und Houman erzählten den Teilnehmern in bewegenden Worten von der besonderen Situation in einem Hochsicherheits-Lager, das im unmittelbaren Grenzgebiet zu Syrien liegt und in dessen Nähe es immer wieder zu militärischen Zwischenfällen kommt. Insbesondere aufgrund der prekären politischen Lage ist die Frage der Identifikation bzw. die der Identität eines Menschen auf der Flucht einen ganz besondere, wie Houman Haddad betonte.

„It works!“

Beide berichteten von der Anspannung am Morgen des 1. Mai, als sich die Türen des Supermarktes öffneten. Würde das System funktionieren? Würde es stabil laufen? Würden alle Flüchtlinge problemlos ihre Einkäufe erledigen können? An den Rechnern der Teams von Datarella und dem Implementierungspartner Parity Technologies in München, Berlin, London und Gdansk wartete man gespannt auf das erste Feedback. Als dies immer länger auf sich warten ließ, wuchs die Spannung zunehmend – bis schliesslich das Signal aus Jordanien kam: „It works!“

„It works“ – mehr brauchten die beteiligten Partner zunächst nicht zu wissen – die Anspannung ließ nach. Tatsächlich lief der Blockchain-Prozess inklusive der Iris Scan Integration reibungslos. 4 Monate Arbeit hatten sich gelohnt – das erste Blockchain-Projekt des WFP ist im Einsatz. Da das Pilotprojekt noch bis Ende Mai läuft, konntne gestern noch keine abschließenden Resultate präsentiert wetden. Nur soviel sei verraten: alle Indikatoren sind sehr positiv – der Einsatz der Blockchain-Technologie um Hilfe in Form von Essens-Gutscheinen und/oder Geld auszuteilen birgt enormes Potenzial. Im Anschluss an den Piloten plant WFP eine entsprechende Mitteilung.

Die anschliessende Diskussion der Meetup-Teilnehmer zeigte, dass die Implementierung einer Technologie gerade dann begeistert, wenn ihr Impact so deutlich wird, wie im Fall des Building Blocks Projekts. Technologie als Selbstzweck ist banal. Technologie im humanitären Einsatz, die das Leben von Menschen auf der Flucht erleichtert, macht Sinn und die Arbeit am Projekt umso erfüllender.

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