Die Blockchain Killer App

Auf der Blockshow Europe, der ersten großen Blockchain Konferenz in Deutschland, habe ich die Blockchain Killer App gesehen. Zumindest war dies auf einer Folie in einem Startup Pitch zu lesen. Oh Lord, won’t you build me a blockchain killer app? My friends all build features, I must make amends. Wirklich?

Der Mensh möchte den Mars bewohnen, unsterblich sein und einzigartige Produkte entwickeln, aus denen Milliardenunternehmen entstehen. Insbesondere die Blockchain als fundamental neue Technologie birgt das Versprechen, weltverändernde Produkte und Services zu schaffen. Naturgemäß begeistert dies die unterschiedlichsten Charaktere: vom für die Infrastruktur zustöndigen Technik-Nerd bis zum Abenteurer, der binnen weniger Monate mit Hilfe eines Initial Coin Offering ICO reich wird. Auf dem Cryptocurrency-Markt ist es derzeit leicht, sein Vermögen rasch zu mehren, da das Thema erst im Jahr 2017 oder gar 2018 für die Mehrheit der Anleger bekannt udn relevant wird und entsprechende Liquidität erhält. In den letzten 6 Monaten allein ist die gesamte Marktkapitalisierung der Cryptocurrencies um 10 Milliarden US-Dollar gestiegen und liegt derzeit be etwa 28 Milliarden US-Dollar. Diese Mischung aus Abteurern und errnstzunehmenden Projekten ist in den Anfängen einer Innovation oft zu beobachten . bis sich dann die relevanten Use Cases herausschälen und sich die Spreu vom Weizen trennt.

Die Funktion der Cryptocurrency ist allerdings nur ein Aspekt eines Digital Token. Die Blockchain kann als eine Art zusätzliche Schicht über dem Internet gesehen werden, die Transaktionen ermöglicht. Aspekte wie Unveränderbarkeit der Daten und eine distribuierte Datenhaltung ermöglichen ein sichereres und kostengünstigeres Datenmanagement, als dies konventionelle Datenbanken erlauben. Die Suche nach dem Heiligen Gral, der Killer App – oder genauer: Killer Dapp, denn: es handelt sich um dezentrale Apps – hat begonnen. Die Start-up Übersicht AngelList verzeichnet derzeit etwa 580 Blockchain Startups mit 770 Investoren und einer durchschnittlichen Bewertung i.H.v. 4,1 Millionen US-Dollar.

Zurückkommend auf die Behauptung des Unternehmensgründers im Pitch, er habe die Killer App entwickelt, sehe ich keine derartige Killer App im Blockchain-Bereich, weder aktuell, noch zukünftig. Der von mir hochgeschätzte Benedict Evans von A16Z hat mein Gefühl kürzlich in einem Tweet so ausgedrückt:

Looking at a strategy doc I worked on in 2006. All the ’next big things‘ weren’t. Then they came back as check-box features in every app

Nach mittlerweile etwa zwei Jahren Arbeit mit der Blockchain mit Industriekunden, Medienunternehmen und Partnern aus dem Finanzbereich sehe ich die Bedürfnisse des Marktes in Produkten und Lösungen, die man vielleicht als langweilig bezeichnen könnte: alle uns bekannten Unternehmen suchen derzeit vorrangig nach inkre,entellen Optimierungen bestehender (Teil-)Prozesse. Das heisst: nicht verheissungsvoll klingende neue Lösungen (für oft nicht existente Probleme) sind gewünscht, sondern harte, in der Realität rasch messbare Vorteile bringende Anwendungen, die neben einer objektiven Verbesserung des Status Quo auch stichhaltige Argumente liefern, um die meist zahlreichen unternehmensinternen Zweifler von der Sinnhaftigkeit der neuen Technologie Blockchain zu überzeugen. Evolutionäre Veränderung und Zusammenarbeit mit den Unternehmensbereichen, die für konventionelle Lösungen stehen, sind sinnvoller, als die gern zitierte Disruption, die über Nacht langjährig bestehende Prozesse ablösen soll und am liebsten alle Mitarbeite mit Beginn des nächsten Tages in einem gänzlich neuen Paradigma arbeiten lassen möchte.

Sicher: mit der Einführung der Blockchain allein wird schon ein Paradigmenwechsel begründet, indem die vielzitierten Mittelsmänner ausgeschaltet werden. Allerdings sind Mittelsmänner seit langem eine vom Aussterben bedrohte Spezies, und die Blockchain nicht der erste Feind, dessen sie sich erwehren müssen.

Die meisten Menschen mögen keine Veränderung. Und auch die meisten Manager in Unternehmen mögen keine Veränderung. Warum also legen wir Blockchain-Enthusiasten nicht einfach das Damoklesschwert Disruption beiseite, versuchen es mit Zusammenarbeit mit den Vertretern des konventionellen Datenmanagements und entwickeln gemeinsam sinnvolle und wertstiftende Anwendungsszenarien? Wenn kostenminimierende Use Cases oder neue Umsatzpotenziale gefunden werden, wird nicht nur mehr Wert erschaffen, auch die Zusammenarbeit der Crypto-Blockchain-Nerds mit den Vertretern der „alten Schule“ verläuft reibungsloser und konstruktiver; dann ist die Vermittlung von Wissen in beide Richtungen möglich: gestandene Ingenieure lernen Vor- und Nachteile von Pow und PoS kennen und zeigen ihrerseits den Blockchain-Enwticklern Grenzen und Potenziale bei der Implementierung von Blockchains und der Anbindung von Legacy-Systemen in Unternehmen auf.

Im Jahr 2017 sind etablierte Unternehmen bereit und willens, die Blockchain als innovative Technologie zu implementieren. Meiner Ansicht nach heißt das für Startups: analysiert die Bedürfnisse der Unternehmen und stellt ihnen Eure spezifische Lösung vor mit dem Ziel, Eure hochinnovative Idee einem unmittelbaren Praxistest in der Realität zu unterziehen und ein ernstzunehmenderr Partner etablierter Unternehmen zu werden. Denkt evolutionär, nicht revolutionär!

That’s it.

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