Lifelogging

Das eigene Leben kann man in allen möglichen Formen festhalten: Körperbezogene Daten wie Gewicht, Training, Nahrungsaufnahme, Schlafmuster – das ist das „klassische“ Quantified Self. Eine der aufdringlichsten aber zugleich faszinierendsten Methoden das eigene Leben zu verfolgen ist aber es visuell aufzuzeichnen. Lifelogging, das Erstellen einer visuellen Aufzeichnung des eigenen Lebens, wurde zum guten Teil durch Steve Mann bekannt. Mann wurde berühmt-berüchtigt dafür, dass er aus McDonalds herausgeworfen wurde, weil er eine Kopfkamera trug.
Ich habe selbst angefangen, mit Lifelogging zu experimentieren. Ich nutze den Narrative Clip, ein Gerät mit etwa 5cm Durchmesser, das man an die Kleidung klemmen kann und das automatisch alle 30 Sekunden ein Bild macht.

Während ich den Clip trug, machte ich mehrere Beobachtungen: Obwohl ich schon nach kurzer Zeit aufhörte daran zu denken, dass ich die ganze Zeit eine Kamera mit mir herumtrug, bemerkte ich, wie sich mein Verhalten veränderte. Ich saß aufrechter, aß und trank vorsichtig und drehte mich sogar in die Richtung von der ich vermutete, dass sie auf den Bildern am interessantesten aussehen würde. Den Menschen, denen ich in der Öffentlichkeit begegnete, war meine Überwachung ganz offensichtlich nicht bewusst, auch wenn mein Clip knallorange ist.

Ich habe einige Bilder meines Tages zusammengestellt. Wir sind mit unserer Kultur wohl definitiv noch nicht dafür bereit, unsere Zeit im Bad zu teilen, daher beginne ich mit einem Bild, das ich für harmlos halte: wie ich meine Zähne putze und mich darauf vorbereite, das Haus zu verlassen. Nachdem ich mit dem Rad im Viertel unterwegs bin um etwas zu erledigen, können Sie mich beim Teetrinken sehen, bevor ich mit dem Regionalzug auf dem Weg ins Büro meinen Freund Dr. Koehler treffe (sehr gut getroffen). Nachdem ich den Zug verlasse, können Sie mich von der Haltestelle zum Büro laufen sehen. Ich schließe alles mit einer Bilderreihe aus unserer Vorstandssitzung ab (in der Sie meine Kollegin Kira auf der anderen Seite des Tischs sitzen sehen).

[Schalten Sie rein und sehen Sie sich unser Menschen hinter Datarella Interview mit Narrative Entwickler Dan Berglund an]

[Anmerkung: Ich werde noch etwas über das dem Self-Tracking dieser Art anhaftende Problem der Geschlechterkultur und Diskriminierung Behinderter schreiben]

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