Building Blocks – Wie das UN World Food Programme Blockchain Technologie in sein Hilfsprogramm integriert

Was im Januar 2017 als Proof-of-Concept in Pakistan begann, wird seit Anfang Mai in Jordanien als voll funktionstüchtiges Pilotprojekt durchgeführt: Das Building Blocks Projekt demonstriert nicht nur die große Bedeutung der Blockchain Technologie für die Verbesserung der Lebensumstände Bedürftiger, sondern ist ebenfalls Ausweis der hocheffizienten Arbeitsweise humanitärer Organisationen wie dem WFP.

Basierend auf den Erfahrungen des initialen Proof-of-Concept, der in Pakistan trotz knapper Zeitressource  bereits sehr gut funktionierte, haben wir das Pilotprojekt in Jordanien entwickelt. Seit Anfang Mai erhalten tausende Haushalte im Flüchtlingscamp Tazweed Village ihre Essensgutscheine über die Blockchain. Die Bewohner des Camps können die Gutscheine in einem der lokalen Suoermärkte einlösen.

Die nahtlose Integration eines Iris Scanners übernimmt dabei nicht nur die Identifizierung des jeweiligen Begünstigten, sondern ermöglicht es, den bisherigen Prozess der Identifikation und Auszahlung äusserlich unverändert zu lassen. Bewohner und Supermarkt Manager brauchen sich nicht umzustellen: die Umstellung des Prozesses auf die Blockchain erfolgt sozusagen geräuschlos und unsichtbar. Die unsichtbaren Vorteile der Blockchain-Technologie resultieren aus der Prozessoptimierung: das Betrugsrisiko und potenzielle Probleme in der Datenverarbeitung werden auf ein Minimum reduziert.

Die wirtschaftlichen Vorteile des Einsatzes der Blockchain-Technologie summieren sich allein für das Tazweed Village in Jordanien auf mehrere Millionen US-Dollar an Kostensenkung jährlich. Das Ziel des Building Blocks Projekts ist es, den Einsatz einer voll funktionsfähigen Blockchain-Anwendung zu demonstrieren, und damit das Modell für zukünftige Projekte weltweit tätiger humanitärer Organisationen zu schaffen.

Das Datarella Team bedankt sich beim WFP Team und unseren Partnern bei Parity Technologies sowie dem IrisGuard Team für die großartige Zusammenarbeit: von Beginn an haben wir alle ein großes Team gebildet, und jeder hat ausgeholfen, wenn Not am Manne war. Die Blockchain-Technologie befindet sich immer noch in ihren Anfängen. Und die Rahmenbedingungen vor Ort – High-Tech Anwendungen in Low-Texh Umgebungen – stellen durchaus eine Herausforderung dar: Nur dieses phantastische Teamwork hat das Building Blocks Projekt überhaupt ermöglicht: innerhalb von weniger als 6 Monaten haben wir einen PoC in Pakistan sowie eine voll funktionsfähige Blockchain-Anwendung in Jordanien auf die Beine gestellt. Vielen Dank Euch allen, dass wenn r gemeinsam beweisen können, welche realen positiven Auswirkungen die Blockchain haben kann!

Wir werden das Building Blocks Projekt am 16. Mai präsentieren. Im Büro des WFP Innovation Accelerator werden wir vor Ort und mit unserem aus Jordanien zugeschalteten Team von unseren Erfahrungen in Tazweed Village berichten und laden Interessierte herzlich ein.

Mehr Infos gibt es auf Coindesk oder Sie  können uns auch gern direkt kontaktieren.

Foto (Houman Haddad, WFP):  Öffnung des Supermarkts am 1. Mai um 9 Uhr im Tazweed Village, Jordanien

Die Blockchain Revolution

1926 veröffentlichte der sowjetische Wissenschaftler Nikolai Kondratjew seinen Aufsatz „Die langen Wellen der Konjunktur“. Auf Basis der von ihm in Deutschland, Frankfeich, England und den USA gesammelten Daten hatte er festgestellt, dass kurze konjunkturelle Zyklen von längeren Wellen überlagert werden, die zwischen 40-60 Jahre andauern. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seines Aufsatzes befand man sich etwa in der Mitte der dritten Welle, die schliesslich mit dem zweiten Weltkrieg ihr Ende fand.

Die einzelnen Wellen lassen in den Aufschwungsperioden durch Jahre mit überwiegend guter Konjunkturund in den Abschwungsphasen durch einen Überhang an Rezessionsjahren beschreiben. Zugrunde liegen diesen Entwicklungen Basisinnovationen wie die Erfindungen der Dampfmaschine, der Eisenbahn, etc., die mit nachhaltigen Produktivitätssteigerungen einhergehen. Aktuell befinden wir uns in der 5. Kondratjew-Welle, der Informationstechnologie, die Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts begann. Der Beginn der Hochphase der aktuellen Welle dürfte etwa im Jahr 2005 erreicht worden sein. Blickt man aus dem Jahr 2017 innerhalb der Informationstechnologie zurück, stellt man fest, dass dies mit der Emanzipation des Internet zusammenfällt. Heute, 15 Jahre nach der ersten massiven Korrektur der Internetindustrie in den Jahren 2000-2002, stehen die signifikanten Produktivitätssteigerungen, die das Internet gebracht hat, ausser Frage.

Was allerdings noch zu beantworten ist: was folgt auf das Internet? Kommt die nächste bahnbrechende Technologie aus den Bereichen, die üblicherweise in diesem Zusammenhang genannt werden, wie Biotechnologie, Nanotechnologie, Robotik, Künstliche Intelligenz, usw.? Für alle diese Bereiche gibt es schlagende Argumente. Dennoch sehen wir eine bisher noch nicht auf der Agenda stehende technologische Entwicklung als ersten Anwärter auf den Titel „The Next Big Thing“: die Blockchain.

Blockchain hat bis ins Jahr 2016 hinein ein Schattendasein gefristet – nur Spezialisten wussten mit dem Thema etwas anzufangen und konnten sich dafür erwärmen. Durch eine äusserst schnelle Adaption des Themas nicht nur auf Technologie-Konferenzen, sondern auch in ersten Experimenten in Unternehmen, sowie durch öffentlichkeitswirksame beispielhafte Blockchain-Projekte wie das Blutdiamanten-Projekt von De Beers, ist die Blockchain zu Beginn 2017 in aller Munde. Ein Grund für das späte Erwachen liegt vermutlich in der Beschaffenheit der Blockchain: während Künstliche Intelligenz, Robotik et al. mit sichtbaren für den Menschen nachvollziehbaren (wenn auh teilweise erschreckenden) Beispieln aufwarten können, ist die Blockchain eine fundamentale Technologie, die an den originären Strukturen und Prozessen des Wirtschafts- und Soziallebens ansetzt:

Mit der Blockchain lassen sich bestehende Prozesse grundlegend vereinfachen, bestehende scheinbar in Stein gemeißelte Machtstrukturen in einer Weise ändern, dass Unternehmen und Institutionen dieser Technologie hochsensibel und mit grösstem Respekt begegnen. Allein das immanente Blockchain-Element der Dezentralität widerspricht tradierten Machtstrukturen diametral: jeder Arbeitnehmer weiß ein Lied davon zu singen, wie stark Top-Down heute noch die Befehlsprozesse in Unternehmen verlaufen – aktuelle Beispiele wie der VW-Abgasskandal bezeugen dies eindrucksvoll. Dezentralität bedeutet nicht nur eine Veränderung in Machtstrukturen; die in der Blockchain als verteilte Datenbank vorliegenden Informationen ermöglichen darüberhinaus Transaktionsprozesse signifikant effizienter zu gestalten – das Zero Marginal Cost Modell kann hier im Live-Einsatz beobachtet werden: Transaktionen sind zu vernachlässigbaren Kosten durchführbar. Prozesse, die bis dato an Transaktionskosten scheiterten, sind nun durchführbar.

Neben der Dezentralität kennzeichnen die Blockchain weitere Aspekte, wie die Unveränderbarkeit der Daten, eine garantierte Zurückführbarkeit auf historische Daten, und einige andere. In der praktischen Anwendung reicht meist schon die Verwendung eines der konstituierenden Elemente der Blockchain aus, um die Implementierung dieser Technologie zu rechtfertigen. Trifft man in der Realität auf Strukturen und Prozesse, die eine Kombination verschiedener Blockchain-Aspekte zur Anwendung kommen lassen, wird das Potenzial der Technologie ultimativ ausgeschöpft.

Auf einen derartigen Fall kombinierter Blockchain-Elemente sind wir im Building Blocks Projekt gestoßen, das wir gemeinsam mit unserem Partner Parity Technologies für und mit dem WFP Innovation Accelerator des World Food Programs der Vereinten Nationen durchführen. Das Ziel des Projekts besteht darin, einen relevanten Baustein zur Aufgabe des WFP – die Beendigung weltweiter Hungerprobleme – beizusteuern. „End Hunger“ – ein Ziel, das unseer Arbeit am Building Blocks Projekt nicht nur hochinteressant und herausforderend, sondern auch zu einer Herzensangelegenheit macht.

Wir werden die Entwicklung des Projekts in einzelnen Beiträgen beschreiben – es hat im Dezember 2016 begonnen und bereits Anfang Januar gab es einen ersten Proof of Concept im Süden Pakistans. Der nächste Milestone ist für Frühjahr 2017 angepeilt. Interessierten bieten wir darüberhinaus an, uns am 16. Mai in München zu besuchen: in den Räumen des WFP Innovation Accelerators werden wir gemeinsam mit den WFP Kollegen das Building Blocks Projekt vorstellen. Bei Interesse ist eine rechtzeitige Anmeldung angeraten, da das Platzangebot begrenzt ist. Das Building Blocks Projekt bietet eine große Bandbreite der Aspekte, die bei der Einführung einer neuen Technologie anfallen. Umso mehr freuen wir uns, in wenigen Wochen erste Ergebnisse vorstellen zu können.

Foto: Farman Ali, WFP